Peter Schraml

Dipl.-Ing. (FH) Architektur
Master of Public Administration

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Spielplätze und Flächen zum Spielen

…wie viel Sicherheit ist nötig, wie viel Risiko ist möglich?

„Spielplätze“ sind eine Erfindung Erwachsener, die deshalb nötig war, weil dort, wo diese erfunden wurden, sonst keine Plätze mehr vorhanden waren, wo Kinder noch spielen konnten. Spielgerätefirmen entstanden, Spielplatznormen wurden entwickelt. Seitdem wird hundertfach das „Konzept Spielplatz“ einfach übernommen und ein Spielplatz nach dem anderen in den Gemeinden errichtet, ohne sich Gedanken zu machen, ob eine Maßnahme in dieser Form überhaupt nötig ist oder andere Maßnahmen für Kinder nicht sinnvoller wären (Zitat aus unseren Unterlagen für die Ausbildung von Spielplatzprüfern). Dabei kann durch eine kindgerechte, interessante Gestaltung und Ausstattung der Spielplätze bereits viel für die Akzeptanz und Sicherheit der Spielplätze getan werden. Ein Spielplatz ist nunmal mehr, als ein Schaukelgerüst, ein Federwippgerät und eine Sandspielfläche, manchmal lieblos, quadratisch – praktisch – gut  aufgestellt. Seit mehreren Jahren wird wieder vermehrt versucht, mit naturnaher Gestaltung die Spielflächen für Kinder interessant zu gestalten. Oft sind aber die Spielideen oder Spielgeräte, die Erwachsenen gefallen, nicht diejenigen, die Kinder begeistern, oder von ihnen angenommen werden. Auch bei der naturnahen Gestaltung gibt es einige Grundsätze, die beachtet werden müssen – es kann nicht sein, dass auf der einen Seite die Spielplatzgeräte strengen Norm- und Sicherheitsvorgaben entsprechen müssen und auf der anderen Seite plötzlich alles erlaubt wäre. Um diese Vielfalt an unterschiedlichen Spielplätzen und Freiflächen zum Spielen sicher betreiben und instandhalten zu können, schreibt DIE Norm für Spielplatzgeräte und Spielplatzböden, die DIN EN 1176 ein Minimum an Inspektion und Wartung vor. Dazu gehören die visuelle Inspektion, die operative Inspektion und die Jahreshauptinspektion durch einen Sachkundigen.

Ausbildung und Sachverstand bestimmen das zulässige Risiko und dessen Einschätzung!

Auf dem Spielplatz sollen die Kinder die Möglichkeit haben, ein selbstsicherndes Verhalten (in einem sicher gestalteten Umfeld) trainieren zu können und ein Gefahrenbewusstsein entwickeln zu können. Die Gefahren des Lebens sollen für Kinder erlebbar, erlernbar und damit beherrschbar werden (Zitat aus dem Beiblatt der DIN EN 1176). Ziel der Norm ist es unter anderem, die Kinder vor unvorhersehbaren Gefahren zu bewahren – kein Kind rechnet damit, dass es sich beim Rutschen strangulieren könnte – diese Gefahrenstellen müssen bei Spielplatzgeräten ausgeschlossen oder beseitigt werden. Das bedeutet aber, dass sich ein Kind beim Spielen auf dem Spielplatz auch einmal verletzten kann. Unfallfolgen wie sie auch im Freizeit- oder Schulsport eintreten können, sind durchaus möglich und dazu zählen u.a. auch Arm- und Beinbrüche sowie Gehirnerschütterungen, die durch stoßdämpfende Böden zwar abgemildert, aber nicht vollständig ausgeschlossen werden können. Geht man nun mit dem Ansinnen an die Konstruktion und Wartung von Spielplatzgeräten, alle Gefahrenstellen zu beseitigen, steigt das Verletzungsrisiko für die Kinder, da sich Kinder dann das Spielangebot an anderer Stelle suchen, die teilweise weitaus größere Gefahren beinhalten (vgl. englische Studie von Ball: Playgrounds – risk, benefits and choices).

Zusammenhang Spielwert  – Spielrisiko

Ein durchdachter Spielplatz bietet Kindern Spaß und Freude am Spielen, er lässt kalkulierbare Risiken zu und fördert dadurch die Erweiterung des Erfahrungsschatzes, ohne ernste Gefahr für Leib und Leben (Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder, Kinderunfälle, Spielplatz“). Die größte Gefahr hingegen auf einem Spielplatz sind gelangweilte oder unterforderte Kinder, sie suchen sich neue „Herausforderungen“, die häufig ein hohes Gefahrenpotential beinhalten.

So ist eine nicht „richtig“ gespannte Seilbahn langweilig, ebenso ein Klettergerüst mit defekten oder fehlenden Sprossen, beide bieten nicht nur keinen Spielwert sondern enthalten sogar noch andere Gefahren. Diese Beispiele, die für eine fehlende oder vernachlässigte Kontrolle und Wartung eines Spielplatzes stehen, verdeutlichen den Zusammenhang, der zwischen Spielwert und sachgemäßer Wartung und Kontrolle besteht. Sind die Spielplatzgeräte schlecht gewartet, bleiben die Kinder fern und Beschädigungen und Vandalismus sind die Folgen. Der beste Beweis für einen hohen Spielwert ist eine starke Frequentierung des Spielplatzes und seines Spielangebotes.

Auf die richtige Ausbildung kommt es an

Um nun bei Planung, Betrieb, Kontrolle und Wartung den richtigen Massstab anzulegen, zumutbare Risiken zuzulassen und die Kinder in ihrem Bewegungsdrang zu unterstützen, kommt es wesentlich auf eine gute und fundierte Ausbildung an. Nur so kann sichergestellt werden, dass die für die Inspektion und Wartung Verantwortlichen mit Mass und Ziel an ihre Aufgabe gehen und so viel Sicherheit wie nötig (und nicht wie möglich!) gewährleisten, ohne alle Risiken und damit Spielanreize zu beseitigen. Wir legen deshalb bei unseren Ausbildungen viel Wert darauf, diese Balance zu finden und auf dem Spielplatz vorhandene oder gefundene Gefährdungen entsprechend einschätzen und einordnen zu können.

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Der eigenen Verantwortung nachkommen…

Isabelle über Kopf

Spielplatz

Lea und Isabelle am Netz…und durch Kontrolle und Wartung auf der sicheren Seite sein

 

 

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